Der Ort der Weite

Der Ort der Weite ist kein Ziel.
Er ist das, was entsteht,
wenn du aufhörst, dich innerlich zu drängen.
Hier wird nichts eingefordert.
Kein Schritt muss sinnvoll sein.
Kein Verweilen begründet.
Der Weg, der hierherführt,
kennt keine Eile.
Er hat Kurven zugelassen,
Umwege, kleine Pausen.
Er weiss, dass Weite nicht erreicht wird,
sondern erkannt.
Häuser stehen verstreut in der Landschaft.
wie Möglichkeiten,
die sich zeigen, wenn man hinsieht.
Manche wirken vertraut.
Andere bleiben verschlossen.
Und einige werden vielleicht erst später bemerkt.
Es ist nicht wichtig,
welches Haus du betrittst.
Oder ob du überhaupt eines betrittst.
Der Ort der Weite verlangt kein Ankommen.
Er erlaubt es.
Licht brennt in Fenstern der Häuser,
nicht um Aufmerksamkeit zu erregen,
sondern als stilles Zeichen von Dasein.
Hier lebt etwas.
Ohne Begründung.
Vielleicht setzt du dich einen Moment.
Vielleicht gehst du weiter.
Vielleicht bleibst du stehen
und spürst nur,
wie sich dein Atem ausdehnt.
Der Ort der Weite hält nichts fest.
Er gibt nichts vor.
Er begleitet nicht einmal.
Und gerade deshalb geschieht hier manchmal etwas Unauffälliges:
Du erinnerst dich daran,
wie es sich anfühlt,
wenn du nichts zusammenhalten musst.
Nicht dich.
Nicht andere.
Nicht dein Leben.
Der Ort der Weite bleibt.
Unabhängig davon,
ob du ihn brauchst oder nicht.
Vielleicht ist genau das sein Wesen:
Dass er da ist,
ohne etwas von dir zu wollen.
Und dass du hier sein darfst,
ohne jemand werden zu müssen.
Vielleicht gehst du jetzt weiter.
Vielleicht bleibst du noch einen Moment.
Der Ort der Weite fragt nicht danach.
Er ist da.
Manche Häuser fallen nicht sofort auf.
Sie stehen nicht im Zentrum
und sie rufen nicht.
Vielleicht bemerkst du eines erst,
weil dein Schritt langsamer wird.
Oder weil du innehältst,
ohne zu wissen, weshalb.
Die Tür ist nicht weit offen.
Aber sie ist auch nicht verschlossen.
Es gibt keinen Hinweis,
ob du eintreten sollst.
Drinnen ist es still.
Nicht leer.
Still auf eine Weise,
die nicht unangenehm ist.
Du darfst sitzen.
Oder stehen bleiben.
Oder einfach nur wahrnehmen,
dass du mit dem, was gerade da ist,
nicht allein bist.
Dieses Haus stellt keine Fragen.
Es gibt keine Antworten.
Es bietet einen Moment,
in dem nichts gehalten
und nichts sortiert werden muss.
Vielleicht gehst du nach kurzer Zeit wieder.
Vielleicht bleibst du länger,
als du gedacht hättest.
Beides ist richtig.
Dieses Haus merkt sich nichts.
Es zählt keine Besuche.
Es ist einfach da,
wenn jemand einen Ort braucht,
der nicht erklärt werden will.
